1945

Februar

Der Schulunterricht wird eingestellt.

In der Nacht vom 14. zum 15. Februar kann man das dröhnen von hunderten britischer und US-amerikanischer Bomber hören, die auch über den Landkreis Döbeln hinweg Richtung Dresden fliegen. Später sieht man den Flächenbrand der völlig zerstörten Landeshauptstadt am Horizont, nach Augenzeugenberichten so hell dass man dabei hätte Zeitung lesen können.

März

Die zentralsächsischen Gebiete füllen sich mit Flüchtlingen. Nicht nur aus dem Osten, sondern auch aus der Chemnitzer Gegend suchen Menschen Zuflucht.

Am 17. März fallen zwei Bomben auf Döbeln. Ein Einzelflieger greift die Stadt an. Es wird das Haus Dresdner Straße 29a getroffen und zur Hälfte zerstört. In der Oschatzer Straße 23 fällt eine Bombe durch das Treppenhaus bis in den Luftschutzbunker.

April

Am 16. April wird ein Güterzug auf dem Ostbahnhof von einem alliierten Kampfflieger beschossen. Der Lokführer und der Heizer sterben. Am Folgetag wird der Kraftfahrer eines LKW durch Luftbeschuss getötet

Mai

Die Stadt wird von den Roten Armee am 6. Mai besetzt. Bis zum letzten Tag waren deutsche Truppen in und um Döbeln, erst als am 6. Mai sowjetische Truppen unmittelbar vor Döbeln standen setzten sich diese Richtung Roßwein ab.

Da überall noch Panzersperren aufgestellt war, wäre es beinahe zu einem Angriff und einer gewaltsamen Eroberung der Stadt gekommen. Nur das mutige Eingreifen des früheren Stadtrats Karl Krötel, der zusammen mit anderen Döbelnern die Panzersperren wegräumte und sich dabei auch nicht von einem Offizier mit vorgehaltener Pistole abhalten lies, ist es zu verdanken, dass alles friedlich ablief.

Herbert Näcke, Chronist und SPD-Mitglied, verteilte dann vorbereitete Flugblätter und schlug sich unter Beschuß zu den Spitzen der sowjetischen Truppen durch. Mit Hilfe eines Dolmetschers überzeugte er die Befehlshaber, den bevorstehenden Beschuss von Döbeln auszusetzen. Er geleitete eine Vorausabteilung der sowjetischen Truppen zum Rathaus. Der Oberbürgermeister Gottschalk war da bereits geflohen.

Da sie sowohl von Luftangriffen als auch von direktem Beschuss verschont geblieben ist, wird Döbeln in der Folgezeit häufig Die goldene Stadt genannt.

Kurzzeitig wurden Herbert Näcke und Stadtrat Röher mit der Verwaltung der Stadt beauftragt. Nur kurze Zeit später setzt jedoch die sowjetische Besatzung den Kommunisten Kurt Birnbaum zum 1. Bürgermeister und Amtshauptmann ein.

Oktober

Am 2. Oktober wird der Unterricht am heutigen Lessing-Gymnasium wieder aufgenommen.

Quellen

Viele Fakten aus dem Jahr 1945 fundieren auf Aussagen der Chronik Der Landkreis Döbeln im Jahre 1945.

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