Anekdoten

Ein besonderes, viel angefeindetes und übertretenes Recht der Stadt war der Bierzwang. Außer den Dörfern Großweitzschen, Mockritz und Topschädel mußten alle Orte in einer Meile Umkreis in Döbeln ihren Festtrunk holen. Dadurch konnten hier jährlich bis zu 1300 Faß gutes Bier gebraut werden. Aber eine nach der anderen der 17 kleinen Brauereien ging ein. 1817 waren sie in einer Stadtbrauerei vereinigt, welche von der Genossenschaft der brauberechtigten Bürger in Pacht gegeben wurde. Seit 1720 hörte auch der Ratskeller auf, die alleinige Weinschankstätte zu sein. Gegen eine jährliche Abgabe durften nun auch andere den edlen Tropfen verzapfen, allerdings durften die Dorfgasthäuser nur selbstgekelterten Wein ausschenken.

2 Handwerke waren im alten Döbeln besonders stark vertreten, die Tuchweberei und die Hutmacherei. Bereits 1697 gab es 129 Wollweber und 29 Leinweber. Um 1727 waren es etwa 200 Tuchmacher, welche an den Webstühlen saßen. So wurden 1788 unter anderen gefertigt: 2653 Stück Tuch und 3196 Hüte.

Die erste Nachricht über Theater in Döbeln stammt aus dem Jahr 1753. Es war die berühmte Karoline Neuber, welche mit ihrer wandernden Komödiantentruppe für kurze Zeit auf dem Rathausboden Vorstellungen gab. Sie führte zwei selbstverfaßte Schauspiele, – Regulus- und -Die rasende Medea- auf.

Im Jahr 1911 gab es in Döbeln 15 Hotels und Gasthäuser, 43 Restaurants und Speisewirtschaften, 9 Kondidoreien und Cafes sowie 2 Weinstuben. Desweiteren das Konzerthaus Bärenschenke auf dem Obermarkt, 2 Kinos, 5 Badeanstalten und 4 Banken.

Clemen – das war eine der bekanntesten Döbelner Familien, aus der die berühmte Schokoladenfabrik Clemen&Sohn hervorging. Johann Gottfried Clemen war der Sohn eines Döbelner Tuchmachermeisters, der um 1750 nach Guyana verschlagen wurde. Ein reicher Pflanzer in Surinam setzte ihn als Plantagenaufseher ein. Nach dessen Tod heiratete er die Witwe und wurde reich. Im September 1771 besuchte er seine Eltern und Verwandten in Döbeln in Bekleidung eines Kammerdieners und eines Negers,welcher natürlich in der sächsischen Provinz als Mohr für viel Aufsehen sorgte.

Ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Stadt war von jeher das Gewerbe. Bereits 1924 gab es in der Stadt einen Bezirksausschuß für Handwerk und Gewerbe mit etwa 1.000 Mitgliedern. Diese hatten mit der Gewerbebank eine eigene Kreditorganisation. Hauptgewerbe war damals die Schumacherei, 1924 gab es in Döbeln 51 Schumacherbetriebe, aber auch 44 Schneidermeister und Schneidergeschäfte. Zu dieser Zeit zählte man aber in Döbeln auch 52 Bäckerein, 22 Barbiere und Friseure, 7 Baumeister, 3 Böttcher, 6 Buchbinder, 1 Brunnenbauer, 1 Büchsenmacher, 4 Dachdeckermeister,70 Damenschneiderinnen und 29 Fleischer.6 Glaser,9 Gold-und Silberwarenhändler,10 Installateure,7 Kürschner,20 Tischler,8 Uhrmachermeister und viele andere Gewerbetreibende.

Ein auch in der heutigen Zeit umstrittenes Ereignis gab es schon in der Vergangenheit. So mußten die Döbelner am 15.04.1918 ihren Uhren eine Stunde vorstellen, weil da die Sommerzeit begann, welche bis zum 16. September dauerte

Bereits 1722 wurde in Döbeln eine Posthalterei gegründet. 1868 wurde ein besonderes Postgebäude errichtet, welches 1895 einem Neubau weichen mußte, der 1897 vollendet war.Bestand das Personal der Post im Jahre 1840 noch aus 4 Personen, waren es 1914 insgesamt 111 Beamte und Unterbeamte.

Da um 1873 in der Stadt Wohnungsmangel herrscht, beraten die Stadtverordneten über Förderungs- und Unterstützungsmaßnahmen. So können sich Hausbesitzer für das Aufsetzen einer zweiten und dritten Etage auf ihre Häuser das nötige Geld aus den städtischen Kassen leihen.

Vom 6.-10.September 1877 findet in Döbeln die Landwirtschaftliche Landesausstellung statt. 372 landwirtschaftliche Vereine aus ganz Sachsen stellen aus.Am 08.09 besucht König Albert die Ausstellung.

Am 25.02.1883 wird im Restaurant Bellevue (heute Eckgebäude Zwingerstraße gegenüber der Post) die Freimaurerloge „Zur Wahrhaftigkeit und Bruderliebe“ eingeweiht. Adolph Thallwitz ist Mitbegründer und wird später Ehrenmeister der Loge.