Burg

Erste historische Erwähnung

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Rekonstruktion der Burg um 1400 von Zeune/Gundram

Nur noch wenige zerfallene Mauerreste legen auf dem Döbelner Schlossberg Zeugnis von der ehemaligen Burg Döbeln ab. Bei einem Feldzug, den König Heinrich I. im Winter 928/929 gegen die Slawen führte, fanden sicher auch in der Umgebung Döbelns Kämpfe statt. Bei diesem Feldzug eroberten Heinrichs Truppen das gesamte Stammesgebiet der slawischen Daleminzer und nahmen unter anderem wohl auch die slawische Wehranlage auf dem Schloßberg bei Döbeln in ihren Besitz. Von hier aus festigte sich im Lauf der Jahre die deutsche Herrschaft über den weiterhin slawisch besiedelten Bezirk rund um die Burg, die 981 zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto II. schriftlich erwähnt wird, als dieser die Burg und den ganzen Bezirk Doblin dem thüringischen Kloster Memleben überließ. Zahlreiche slawische Aufstände und kriegerische Auseinandersetzungen dieser Zeit, die kurzfristig auch zu einer böhmischen und einer polnischen Herrschaft führten, zogen vermutlich auch die Burg Döbeln in Mitleidenschaft, es existieren aber keine überlieferten Berichte dazu.

Geschichte der Burg

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Rekonstruktion der Burg von Wolfgang Braun

Die alte Wehranlage bestand aus einem Wall aus Holz und Erde und wurde über viele Jahre zu einer Steinburg ausgebaut. Der Umbau dürfte im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts abgeschlossen gewesen sein. In der Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich hier der Sitz des Amtes Döbeln. Bereits gegen Ende desselben Jahrhunderts setzte der Verfall der Anlage ein, dem auch durch den Verkauf von Amt und Stadt an das Bistum Meißen kein Einhalt geboten wurde. Trotz vertraglicher Verpflichtung der neuen Besitzer zur Sanierung der Burg wurde nichts zu ihrem Erhalt unternommen und vermutlich bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die Amtsgeschäfte aus der Burg in die Stadt Döbeln verlagert.

1450 wurde die Burg im sächsischen Bruderkrieg zerstört und in diesem Zusammenhang vermutlich endgültig aufgegeben. Die Ruine wurde als Steinbruch für städtische Bauten genutzt und nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1730 wurde auch der Bergfried zur Gewinnung von Baumaterial herangezogen. Als 1867 mit dem Bau der Schloßbergschule begonnen wurde, wurden auch die letzten Reste der Ruine beseitigt.

Reste der Burg

Nur noch wenige Mauerreste sind von der Burg Döbeln übriggeblieben. Mit Hilfe einer genauen Analyse der baulichen Überreste, geophysikalischen Untersuchungen in Teilbereichen der ehemaligen Burg und einer grundlegenden Auswertung des noch vorhandenen Archivmaterials, konnte 2005/2006 zum ersten Mal eine wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion der Burg Döbeln versucht werden.

Zum „Tag des offenen Denkmals“ im September 2006 wurde der Öffentlichkeit ein Modell der alten Wehranlage vorgestellt, das der Hobbyhistoriker Ralph Gundram aus Forchheim in mühsamer Kleinarbeit auf Grund dieser Forschungsergebnisse konstruiert hatte. Das Modell, das seither im Döbelner Stadtmuseum (Rathausturm) besichtigt werden kann, vermittelt einen großartigen Eindruck der alten Wehranlage mit all ihren Gebäuden und Wehrgängen, wie sie in den besten Zeiten der Burg Döbeln einmal Bestand haben könnten.

Literatur/Quellen

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