Holländerturm

Der Holländerturm ist ein 30 Meter hoher Aussichtsturm auf dem Holländer / Staupitzberg in Döbeln-Nord. Er steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Im Jahr 1874 baute der Müller Wilhelm Schuricht auf dem Döbelner Staupitzberg eine Windmühle mit Wohnhaus, wie sie in Holland schon lange bekannt und üblich waren. Auf der 239 Meter hohen Erhebung konnte der in alle Richtungen drehbare Dachbau der Mühle mit seinen fünf Flügeln die Kraft des Windes ungestört nutzen. Bis ins Jahr 1900 war die Mühle in Betrieb, dann wurde das gesamte Anwesen von Robert Stelzig übernommen, der im Wohnhaus eine Gastwirtschaft einrichtete. Stelzig ließ neben der Gaststätte einen Aussichtsturm in der damals üblichen Ziegelbauweise errichten.

Die Mühle wurde bis auf den massiven Teil abgetragen und auf dem Mühlenstumpf, der mit dem Treppenhaus des Aussichtsturms verbunden war, richtete der Gaststättenbetreiber einen rustikalen Kneipenraum ein. Beim Aufstieg auf den 30 Meter hohen Turm, wobei 169 Stufen bewältigt werden mussten, legten die Besucher hier gerne eine Pause ein. Stelzig legte außerdem einen großen Biergarten rund um den Turm an und schuf so ein gern besuchtes Ausflugsziel und zugleich ein Wahrzeichen für die Stadt Döbeln, das schon von Weitem zu erkennen war.
Am 20. Mai 1900 wurde der Holländerturm mit seinem herrlichen Panoramablick auf Döbeln und seine Umgebung feierlich eröffnet. Die Aussicht reichte bei guten Wetterverhältnissen manchmal sogar bis zum Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Um 1920 übernahm ein Kurt Hößler Turm und Anwesen und die Gaststätte entwickelte sich zu einem illegalen Treffpunkt der Döbelner Arbeiter. Angeblich soll hier eine Ortsgruppe der SPD gegründet worden sein.
Mit dem politischen Umschwung änderte sich auch die Verwendung des Holländerturms: Während des Zweiten Weltkrieges diente der Turm aufgrund seiner guten Aussicht der Wehrmacht als Beobachtungspunkt. Dafür wurde im Treppenhaus eine Kammer samt Doppelstockfeldbett für die Beobachter eingebaut.

1954 fand der Aussichtsturm eine ganz neue Verwendung. Post- und Fernmeldewesen der DDR bauten eine Antennenanlage für den Fernsehempfang in Döbeln und Umgebung ein, die 1962 durch einen Fernsehkanalumsetzer ergänzt wurde. Das Besteigen des Turmes zu Aussichtszwecken war dadurch nicht mehr möglich. Die Antennenanlage beeinflusste im Laufe der Jahre die Stabilität des Turms negativ.

Aktueller Zustand

1990 wurde ein neuer Empfangsturm in der Leipziger Straße in Betrieb genommen, der Holländerturm auf dem Döbelner Staupitzberg hatte in dieser Funktion ausgedient. In den letzten Jahren scheiterten mehrere Versuche, verschiedene Fördermittel für die notwendige Sanierung zu erhalten.

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