Mord an Jamal Al Mortada

Auf dieser Seite werden die historischen Ereignisse zum Mord an Jamal Al Mortada  im Jahr 2011 dokumentiert und aktualisiert. Mittlerweile wurde ein Täter verurteilt, es sind jedoch noch Rechtsmittel möglich.

Jamal Al Mortada

Der gebürtige Libanese lebte seit Jahren mit seiner Familie in Döbeln. Er betrieb eine Pizzaria und einen Autohandel in der Zschepplitzer Straße („Autohandel Daniel“). Es gibt keine Hinweise, dass er in kriminelle Handlungen verwickelt war oder Kontakte zur organisierten Kriminalität gehabt hätte. Er wurde 41 Jahre alt.

Mögliche Vorgeschichte

Am 6. Oktober 2011 kam es zu einem Einbruch in der Pizzaria, bei dem Spielautomaten geknackt und das Geld daraus gestohlen wurde. Es entstand ein Sachschaden von 2.000 Euro. Ob ein Zusammenhang zum Mord besteht ist nicht geklärt.

Angeblich soll das Opfer etwas geahnt haben. In der Online-Ausgabe der Zeit wird eine Döbelnerin zitiert mit den Worten „Mir ist zu Ohren gekommen, dass er schon seit einigen Tagen in seinem Laden geschlafen hat. Um die Familie zu schützen.“

Mord

Am Dienstag, dem 1. November 2011, um 20 Uhr, betrat ein maskierter Täter die Pizzaria Aladin in der Rudolf-Breitscheid-Straße im Stadtzentrum. Er gab vier Schüße aus einer Pistole auf den Besitzer des Imbiß, Jamal Al Mortada, ab. Davon ein Schuß in den Kopf und drei in den Oberkörper. Zu diesem Zeitpunkt befand sich eine Mitarbeiterin der Pizzaria in einem Nebenraum. Sie wurde nicht verletzt.

Der Täter flüchtete zu Fuß in Richtung Rosa-Luxemburg-Straße und überquerte die Brücke zum Stadtbad.
Der Tatort wurde abgesperrt und noch am Abend wurden Bürger in der Nähe befragt.

Ermittlungen der Sonderkommisison Aladin

Bereits am nächsten Tag wurde die Sonderkomission (SoKo) „Aladin“ gegründet, die ihren Sitz im Polizeirevier Döbeln hat. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz nahm die Ermittlungen auf. Die SoKo bestand anfangs aus 50 Beamten.

Am Sonntag, dem 6. November, veröffentlichte die Polizei ein Phantombild. Gesucht wird eine Person, die in der Nähe des Tatorts gesehen wurde. Ob es sich um den Täter oder einen Zeugen handelt, ist nicht klar. Der Mann wurde wir folgt beschrieben: 1,70 bis 1,75 Meter groß, kurze schwarze Haare, silberne Ohrringe, dunkle Jacke, helle ausgewaschene Jeans.

Das Phantombild wurde auch im Gebiet der Innenstadt verteilt. Besucher der Sauna im Stadtbad, die um die Tatzeit noch geöffnet hatte, wurden befragt. Am 7. November wurden im Feierabendverkehr mehrere Hunder Autofahrer und Passanten in der Innenstadt nach Hinweisen auf die Tat befragt.

Am Donnerstag, dem 10. November 2011, bargen Polizeitaucher die Tatwaffe aus dem knietiefen Wasser der Mulde an der Brücke an der Rosa-Luxemburg-Straße beim Stadtbad. Gegen 11 Uhr fanden die Beamten mit Metaldetektoren das Magazin mit „scharfer Munition“, kurz danach die Pistole. Ungefähr zwei Stunden später wurde dieses geborgen. Laut Polizeiangaben sind Fingerabdrücke auch nach Tagen im Wasser noch nachweisbar.

Am 21. November wurde die SoKo von 50 auf 33 Beamte reduziert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bereits 400 mögliche Zeugen befragt.

Danach wurde es ruhig um die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft gibt aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details bekannt. Am 10. Januar 2012 wurde der Mord von der Polizei am Tatort rekonstruiert. Am 13. Januar wurden mehrere Stellen in Döbeln, darunter eine „Villa in der Bahnhofstraße“, mit einem Polizei-Spürhund untersucht.

Am 17. Februar 2012, also knapp dreieinhalb Monate nach dem Mord, wurde ein neues Fahndungsbild von der Polizei veröffentlicht. Damit wird jetzt explizit nach dem Täter gesucht – mit dem ersten Phantombild wurde ja noch ein „Zeuge“ gesucht. Der Täter soll ca. 1,70 m bis 1,80 m groß sein. Es wurde eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.

Anfang März wurde das Bistro von der Sonderkomission wieder freigegeben, die Ermittlungen am Tatort waren damit abgeschlossen. Die Zahl der Beamten der Sonderkomission wurde auf 16 verringert.

Kurz darauf, am 13. März, wurde ein Tatverdächtiger gefasst. Der Iraker Ayman M. (32 Jahre alt) wurde in seiner Wohnung in der Bahnhofstraße von einem Sondereinsatzkommando festgenommen und in die JVA Zwickau zur Untersuchungshaft verbracht.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Am 19. Juni teilte die Staatsanwältin Ingrid Burghardt mit, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgeschlossen sein. Es wird davon ausgegangen, dass demnächst formell Anklage gegen den verdächtigen Iraker erhoben wird. Sein Anwalt wies wiederholt auf mehrere entlastende Indizien hin, denen die Staatsanwaltschaft angeblich nicht nachgegangen sei.

Spekulationen über Zusammenhang mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)

Im November und Dezember 2011 wurde von den Medien ein möglicher Zusammenhang mit der Neonazi-Bande „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ aus Eisenach / Zwickau ins Spiel gebracht. (n-tv.de, zeit.de) Diese hatte am am Freitag dem 04. November eine Bank in Eisenach überfallen. Am gleichen Tag wurden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden, welches brannte. Die dritte Beteiligte, Beate Zschäpe, sprengte eine Wohnung in Zwickau und stellte sich am Dienstag (08. November) der Polizei. Später wurde in der Wohnung des Trios eine Waffe gefunden, die in Zusammenhang mit der Döner-Mord-Serie steht, bei der in den letzten Jahren insgesamt 9 ausländische Imbiss-Betreiber in ganz Deutschland ermordet wurden. Auf DVDs, die in der Wohnung gefunden wurde, bekennt sich die Bande zu den Taten und präsentiert Fotos der Mordopfer und Täterwissesn.

Allerdings ging die Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt von einem Zusammenhang zum Zwickauer Trio aus.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund