Muldeninsel

Die Muldeninsel ist eine etwa 0,2 km² (ca. 17 Hektar) große Insel, die von den beiden Seitenarmen der Mulde umflossen wird. Sie war der historische Kern von Döbeln und bildet auch heute noch das Stadtzentrum.

Geologie

Betrachten wir die Geologie des Döbelner Talkessels näher, wird deutlich, daß die Muldeninsel, außer den wenigen Stellen aus Serizitgneis und Phyllit, zum Großteil aus glazialen Ablagerungen besteht. Nach der Vereisung in der Elster-Eiszeit (400.000-300.000 v. heute), die zur Verschüttung der Gegend um Döbeln mit bis zu 100 m starken Lockermassen geführt hatte und der Eisbedeckung in der Saale-Eiszeit (230.000-130.000 v. heute), schnitt sich die Freiberger Mulde im heutigen Döbeln fast bis auf das aktuelle Geländeniveau ein. Die Felsklippe des Schloßberges wurde nun nach langer Zeit der Bedeckung wieder freigelegt. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß der Felsen seit dem frühesten Eiszeitalter, als der Fluß das heutige Niveau schon einmal erreicht hatte, bereits wiederholt Insel war.

Seit der Eemwarmzeit vor rund 120.000 Jahren trat der Schloßbergfelsen morphologisch etwa wie gegenwärtig in Erscheinung. Der Felssporn teilte als Umlaufberg nun wiederum die anströmenden Wassermassen. Im Schatten des Berges konnte sich so eine Insel bilden. Diese blieb und bleibt, in geologischen Zeiträumen gesehen, eher unbeständig. Wenn darüber Klarheit herrscht, wirken die verständlichen Bemühungen des Menschen, den Fluß zu bezwingen, eher hilflos.

Vor etwa 10.000 Jahren war in Mitteleuropa die bisher letzte Eiszeit, die Weichsel-Eiszeit, zu Ende. Das Mesolithikum, die Mittelsteinzeit, wurde geprägt von einer drastischen Erwärmung, welche die Landschaft und mit ihr die Tier- und Pflanzenwelt grundlegend veränderte. Die letzten Inlandgletscher schmolzen, Flüsse und Seen entstanden und dichte Wälder breiteten sich aus. Die kältegewohnten Pflanzenfresser wie das Mammut und die an offene Grassteppen angepaßten Herden der Rentiere zogen nach Nordeuropa ab.

Dass um Döbeln neben dem Südarm auch der nördliche Flußlauf in den letzten Jahrtausenden existiert hat, beweist der junge Auelehm zwischen heutigem Nordfluß und heutigem Auenrand im Norden, der nur vom Flußwasser gebildet worden sein kann. Nach großen Überschwemmungsereignissen, klimatischen Wechseln oder anderen komplexen Vorgängen mag zeitweise der eine oder andere Arm trockengefallen sein.

Geschichte

muldeninsel-karteAuf Basis der spärlichen schriftlichen Überlieferung des ausgehenden Mittelalters können wir lediglich vorsichtig vermuten, daß in dieser Zeit der nördliche Muldenarm nur wenig vom Wasser der Mulde durchflossen wurde und sich dort ein, durch Sumpf- und Teichabschnitte durchsetzter, schwächerer Wasserlauf befand. Ihn speiste wohl hauptsächlich ein heute überbauter Bach aus dem Bereich des Wappenhensch-Stiftes.

Die alte Bezeichnung des Ufers gegenüber dem Klosterviertel als „Teichwiesen“ oder „Teichgarten“ könnte auch auf verlandete Teile jenes Muldenarms hinweisen. Dieser Charakter wird sich spätestens durch die Erweiterung der Stadtbefestigung mit einer „ …starken Mauer, … sechs Thürmen, inclusive derer drey Thürme auff denen Thoren,… dem …so genannten Zwinger… und …unterschiedliche Rundele, viele Schütz-Löcher, und andere alte Kriegs-Bequemlichkeiten…“ , sowie durch, seit 1420 nachgewiesene, Flußregulierungen verloren haben. Über den direkten Ausbau der nördlichen Flußstrecke ist in einem Döbelner Stadtbuch des 15. Jh. ein wichtiger Nachweis zu finden denn: „…feria C[ ]pta (septima = Sonnabend ?))post letare hat man begunst den graben zcu graben umme di stad undo wart uol ant virczentage nach den oster heilign tagin, un also daz ye der wirt muste erbeitin funf tage vn di huzgenossin dy helffte un di gertener vor der stad ye der man tzwene tage. Auch so erbeite der voit den grabin obin der Stupiczmol mit dem lantfolke gancz …“ (Auch so arbeitete der -Burg-Vogt mit seinem Landvolk am ganzen Graben über der Staupitzmühle.) Constantin Mörbitz spricht davon, daß diese Arbeiten 1422 beendet wurden. Der Motor dieser Tätigkeiten wird, wie in anderen Städten auch, der befürchtete Hussiteneinfall gewesen sein. Ob es sich bei diesen Arbeiten um die ersten am nördlichen Muldenbett handelte, bleibt ungewiß.

Wir können also nur vermuten, daß z.B. die Burg Döbeln im frühen Mittelalter im Süden von einem Hauptarm der Mulde, auf der Nordostseite jedoch durch einen schwachen, versumpften Abschnitt umschlossen wurde. Eine Muldeninsel hat es jedoch schon weit vor und während des Mittelalters grundsätzlich gegeben. Der Chronist Constantin Mörbitz ist also nur eingeschränkt im Recht, wenn er schreibt, der „…Mulden-Fluß umgiebet zwar … die Stadt, nebst etlichen Gärten, auff beyden Seiten, als eine Insul; iedoch ist das Haupt- und Schloß-Wehr die meiste Ursache daran, daß sich der Strom muß theilen, da er sonst ohnfehlbar seinen freyen Gang hinter der Stadt (Süden) würde wegnehmen.“