Niedermarkt

Geschichte

Als natürliche Insel liegt Döbeln zwischen den beiden Armen der Mulde eingebettet und wurde dadurch schon früh zur einem wichtigen Punkt mittelalterlicher Handelsstraßen. Im Schutz der Burg entwickelte sich zunächst eine Kaufmannssiedlung und daraus in kurzer Zeit eine Stadt.

Zwei Drittel der 17 Hektar Fläche umfassenden Insel wurden zwischen 1221 und 1288 mit einem doppelten Mauerring mit drei Stadttoren, dem Staupitztor, dem Obertor und dem Niedertor, umschlossen. Erst 1838 verschwand die Stadtmauer bis auf wenige Reste.

Rund um die Nicolaikirche entwickelte sich der Obermarkt, in der Niederstadt war die alte Jacobikirche der Mittelpunkt des Niedermarktes, bis sie 1523 mit fast allen Häusern Döbelns in Flammen aufging. Der Schmiedelehrling Joachim Neumann soll der Verursacher dieses Stadtbrandes gewesen sein.

Nach dem Döbelner Chronisten Constantin Mörbitz soll sich die Jacobikirche und mit ihr der Niedermarkt beim sogenannten „Auerbachs Hof“ befunden haben, wo ein verwinkelter Weg vom Niedertor zur Bäckergasse führte.

Andere Chronisten sehen im Niedermarkt den Beginn der Stadt Döbeln überhaupt, da die Fuhrwerke der Kaufleute vom Körnerplatz durch die Muldenfurt zum Niedermarkt und von dort nach Norden fuhren.

Nach den Stadtbränden von 1523 und 1730 veränderte sich die Architektur der Döbelner Häuser, Obermarkt und Niedermarkt blieben aber als freie Flächen bis heute erhalten.

Die weitere Entwicklung des Niedermarktes, nachdem er sich im Mittelalter als Umschlagsplatz der Handelswaren bewährt hatte, ist lebhaft. Bereits 1862 gab es hier den ersten Christkindlmarkt. Einige Jahre später wurden auf dem Markt Kanalisationsarbeiten durchgeführt, wobei Sargteile und Skelettreste gefunden wurden.

Im gleichen Jahr wurden die Schienen der Döbelner Pferdebahn auch über den Niedermarkt verlegt. Fünfzehn Jahre später wurde der Platz neu gepflastert und 1911 kam das König-Georg-Reiterdenkmal auf das Marktrondell.

Martin-Mutschmann-Platz und Thälmannplatz

Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg gingen nicht spurlos am Niedermarkt vorbei. 1933 wurde er nach einem nationalsozialistischen Gauleiter in Martin-Mutschmann-Platz umbenannt (nach dem Krieg wurde er zum Thälmannplatz und erst 1990 wieder zum Niedermarkt) und 1942 wurde die Bronze des Reiterdenkmals für Kriegszwecke entwendet.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde unter dem Niedermarkt in großer Luftschutzbunker mit einem 80 Meter langen, S-förmigen Gang eingerichtet.

1979 wurde der Niedermarkt zur Fußgängerzone umgestaltet. Obwohl die Niederstadt im Lauf der Jahre auch einige Bausünden über sich ergehen lassen musste, blieben doch die meisten der schönen Altbauten am Niedermarkt erhalten.

Geschichte nach 1990

Im Jahr 2001 wurde der Platz mit dem Stiefelbrunnen verschönert, der zum 600jährigen Bestehen der örtlichen Schuhmacherzunft gefertigt wurde.

Im Zuge der Umgestaltung wurden auf dem Niedermarkt auch die Schienen für die neue Pferdebahn gelegt, die in Erinnerung an das alte Döbeln, als die Pferdebahn noch als Zubringer zum Bahnhof fungierte, heute das Stadtbild, für Einheimische genauso wie für Gäste von außerhalb, beleben soll.

Heute finden auf dem Niedermarkt regelmässig die Döbelner Wochenmärkte statt und immer wieder größere Feste und Veranstaltungen.

Archäologische Funde auf dem Gebiet des heutigen Niedermarkt

Bei den Tiefbauarbeiten im Zuge der Umgestaltung des Niedermarktes kamen erstaunliche archäologische Schätze zum Vorschein. Mittelalterliche Abwasserkanäle traten zu Tage, die dem Gefälle nach zu urteilen nicht in die Mulde flossen. Das dazugehörige Sammelbecken konnte allerdings nicht gefunden werden. Scherben, Zeitungsreste, Spielzeug und ähnliche kleine Überbleibsel aus dem 18. Jahrhundert wurden ebenfalls gefunden, außerdem unterschiedliche Pflasterungen übereinander, der Beweis für wiederholte Überbauungen des Niedermarktes.

Neben der Grundmauer des Theatercafé Hollencamp am Niedermarkt 30 fanden die Archäologen Mauerreste von Gebäuden, die vor etwa 700 Jahre gebaut worden sein müssen. Weiter wurde zwischen Capitol und Theater ein Fundamentrest der alten Stadtmauer ausgegraben. Eine weitere Überraschung wartete unter dem Rondell des Niedermarktes. Dort fand sich ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. An den achtzig Meter langen s-förmigen Gang unter dem Markt hatte sich erstaunlicherweise niemand mehr erinnert.