Ostbahnhof

Als 1868 der neue Hauptbahnhof in Döbeln in Betrieb genommen wurde, gab es im östlichen Teil der Stadt bereits eine zweite Haltestelle, die sogenannte „Haltestelle Döbeln“, aus der dann später der heutige Ostbahnhof wurde. Vom Stadtzentrum aus erreichte man die Haltestelle über den damaligen Wiesenweg, der heute Straße des Friedens heißt.

1904 wurden die Gleise, die bis dahin auf gleichem Niveau mit der Straße verliefen, um sechs Meter abgesenkt. Dies war möglich, weil zu dieser Zeit die Roßweiner Straße untertunnelt wurde. Mit dem Erdaushub wurde das Gelände bei der Thielestraße aufgefüllt, auf dem der Güterbahnhof Ost gebaut werden sollte. Durch das starke Wirtschaftswachstum der Gründerjahre, das eine vermehrte Ansiedlung industrieller Betriebe mit sich brachte, war der neue Güterbahnhof notwendig geworden. Auch im Bereich des Hauptbahnhofs entstanden Werkbahnanschlüsse für spezielle Firmen und ein großer Güterbahnhofsbereich.

Bis ins beginnende 20. Jahrhundert dauerte diese Entwicklung, die auch die Einrichtung einer eigenen Kleinbahnstrecke Oschatz-Mügeln-Döbeln zur Folge hatte, die neben der Personenbeförderung vor allem dem Zuckerrübentransport nach Döbeln diente, wo es einen eigenen Gleisanschluss zur örtlichen Zuckerfabrik gab.
Nach der Wende veränderte sich die Situation gravierend. Die Konkurrenz außerhalb der Städte wuchs fast ins Uferlose und alte Industriestandorte mussten aufgegeben werden. So fielen auch in Döbeln viele alte Industrieschornsteine als letzte Zeugen einer vergangenen blühenden Industrie vor Ort.

Der Gütertransport wurde mit dieser Verlagerung der Industrie auf die „grüne Wiese“ vermehrt von der Schiene auf die Straße verlegt, ohne Rücksicht auf die ökologischen und verkehrstechnischen Folgen. Durch diese Entwicklung wurde der Ostbahnhof in Döbeln bis heute wieder zur Haltestelle degradiert.

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