Ritter Staupitz

Ritter Staupitz ist eine Figur aus der Vergangenheit Döbelns. Seine Geschichte wird in mehreren Chroniken berichtet.

Geschichte des Geschlechts von Staupitz

Die Vorfahren derer von Staupitz gehörten wohl zur Bevölkerungsschicht der im Hochmittelalter entstehenden Dienstmannen. Mit der um 1150 einsetzenden deutschen Kolonisierung des im 10. Jahrhundert eroberten Slawengaus Daleminze und des Erzgebirges, werden sie in den Machtbereich der Burg Döbeln gelangt sein. Aus der Namensgebung wird wahrscheinlich, dass sie sich in dem damals nördlich von Döbeln gelegenen Dorf Staupitz niedergelassen haben. Eine wissenschaftliche Namensdeutung des Ortes Staupitz bezieht sich unter anderem auf die slawische Bezeichnung für Wildfalle oder Wildgrube – also ein Jagdgebiet. Sollte sich hier eine Erklärung zu Wappen und Helmzier derer von Staupitz finden lassen? Mit Hirsch und Horn sind dort eindeutig Jagdinsignien dargestellt.

Die männlichen Vertreter der Familie sind wohl am ehesten im Zusammenhang mit den wettinischen Burgmannen der Burg Döbeln zu sehen. Ob auch sie eine Wohnstatt, ein Freihaus in der Ritterstraße in Döbeln besessen haben, ist nicht zu belegen jedoch durchaus möglich. In diesem alten Burglehn hatte eine ganze Anzahl adeliger und in Beziehung zu Burg Döbeln stehender Familien einen Wohnsitz.

Am 29.07.1241 setzt mit einem Hermann von Staupitz die historische Belegbarkeit der Familie ein. Dieser war auf der Burg Döbeln einer der Zeugen, als Markgraf Heinrich der Erlauchte dem Kloster Altzella 10 Hufen Land im Dorfe Ostrau zusprach. Die Klientelzugehörigkeit zu den Wettinern ist damit spätestens für diesen Zeitpunkt sicher aufgezeigt und ein direkter Bezug zur Burg Döbeln zu erwarten.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts ist jedoch eine verstärkte Hinwendung derer von Staupitz zum Reichsland Pleißen, explizit zu den Burggrafen von Leisnig und der Herrschaft Colditz zu beobachten. Diese Beziehungen blieben bis weit in das 15. Jahrhundert erhalten, verschiedene Besitzbindungen in die Region von Döbeln hatten jedoch weiterhin Bestand. Am 30. November 1305 wurde vom Burggrafen Albrecht IV. von Altenburg ein Teil dessen, was Hermann von Staupitz (Hermann II.) bisher vom Burggrafen zum Lehn inne hatte, dem Kloster Buch mit allen Recht und zum Nutzen für den Burggrafen und seiner Nachkommen Seelenheil als Eigentum zum immerwährenden freien Besitz geschenkt. In diesem Zusammenhang wird uns mit Pischwitz erstmalig ein Sitz derer von Staupitz urkundlich überliefert. Die Familie war zu dieser Zeit bereits aus Döbeln abgewandert, einiger Streubesitz um Döbeln verblieb aber trotzdem weiterhin bei den Staupitzen. Dazu gehörte auch der Bereich um die ehemalige, um 1360 erbaute Befestigung Reichenstein des Ulmann von Staupitz, einem Vetter des Dietrich von Staupitz (der Ältere). Nach der Kriebsteinfehde sind die Staupitze im Raum Leisnig und Wurzen noch bis in des 16. Jahrhundert nachweisbar, saßen dann auf Dabrun (Wittenberg) und waren im 18. Jahrhundert in der westlichen Lausitz (Burkau) anzutreffen. Mit dem Tod von Johanna Carolina Augusta von Staupitz (verh. von der Pforte) im Jahre 1838, erlosch die Familie im beginnenden 19. Jahrhundert. Aber auch im Raum Pirna (Zehista) und in Böhmen (Kleinsellnitz/Sellnitz, heute Želenice) bei Graupen waren im 15./16. Jahrhundert Staupitze ansässig. (Auf die Darstellung kurzzeitiger Lehns- oder Besitzverhältnisse oder Einmalnennungen von Personen wird hier bewusst verzichtet!)

Das Dorf Staupitz

Wie in der Döbelner Heimatliteratur oft gegenteilig behauptet wird, gehen jedoch die Namen verschiedener Döbelner Örtlichkeiten, wie z. B. Staupitzberg oder Staupitzmühle nicht auf die für Döbeln doch recht unbedeutende und schon früh abgewanderte Familie von Staupitz zurück. Vielmehr sind diese Bezeichnungen ausschließlich aus dem topographischen Kontext mit dem ehemaligen Dorf Staupitz zu erklären. Dieser Ort war wohl bereits gegen Ende des 13. Jahrhundert zum Großteil wüst. In der Mitte des 14. Jahrhunderts hat dann wahrscheinlich nur noch das ehemalige Gut derer von Staupitz als Vorwerk bestanden, welches jedoch schon vor 1346 in den Besitz derer von Seebitzschen gewechselt war. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts befand sich in diesem Bereich jedoch wieder eine Häusergruppe. Aber auch wenn im Zusammenhang damit von des Dorfes Rechten gesprochen wird, sollte es sich hier eher um eine neu erstandene Art Vorstadtsiedlung auf dem Staupitzberg gehandelt haben, denn der Ortsname Staupitz selbst ist bereits in dieser Zeit nicht mehr zu belegen.

Die Legende von Ritter Staupitz

Es war im Jahre 1415. Schon damals erhob sich auf steilem Felsen am Ufer der Zschopau die stolze Burg Kriebstein. Dietrich von Beerwalde hieß der Ritter, der sie bewohnte. Der Winter war vorüber. Der Fastnachtstag brach an. Da nahte plötzlich von Döbeln her ein gewappneter Haufe. Ritter von Staupitz war es mit seinen Mannen. Rasch verschaffte er sich Zugang zur Burg. Die Burgmannen waren schnell überrumpelt. Ritter von Beerwalde musste seinen herrlichen Besitz verlassen. Erbittert schwur er dem Ritter von Staupitz Rache. Einige Getreue des Ritters von Beerwalde aber eilten zum Markgrafen in Meißen und brachten ihm Kunde von dem frechen Friedensbruch. Das konnte der Markgraf nicht dulden. Er befahl dem Ritter von Staupitz, Schloss Kriebstein sofort zu räumen und dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Ritter von Staupitz aber vertraute der unein-nehmbaren Burg, die er eilends in Verteidigungszustand brachte. Doch auch davon erhielt der Markgraf Kunde. Zum letzten Male erschien ein Bote aus Meißen mit dem Befehl, Ritter von Staupitz solle binnen drei Tagen abziehen, wenn er strengstem Gerichte entgehen wolle. Der Markgraf möge nur kommen und die Burg erstürmen, wenn er sich den Kopf einrennen wolle, war die freche Antwort. Friedrich der Streitbare kam mit einem kleinen Heere. Viele Freiberger Bürger waren dabei. Er belagerte die Burg. Wochen vergingen, Monate verstrichen. Stolz wehte noch immer das Banner des Ritters von Staupitz von den Zinnen der Burg. Nichts aber verriet, welch großes Elend in der Burg inzwischen eingezogen war. Die Vorräte waren erschöpft. Die Belagerten standen dem Hungertode nahe. Staupitz selbst hatte ein Fieber aufs Krankenlager geworfen. Das ahnte der Markgraf nicht. Fast wollte er die Belagerung aufgeben. Da nahte ein Abgesandter der Burg. Mit abgezehrtem Gesicht stand er vor dem Markgrafen und bot ihm die Übergabe der Burg an. Als er dem erstaunten Fürsten noch eine Bitte vorbringen wollte, entpuppte er sich zur Verwunderung der Belagerer als die Gemahlin des Ritters von Staupitz. Inständig bat sie, der Markgraf möge ihr Freiheit und Leben schenken. Er möge ihr gestatten, mit dem liebsten Gut, das sie auf ihrem Rücken forttragen könne, abziehen zu dürfen. Der Landesherr versprach es. Am nächsten Morgen öffneten sich in aller Frühe die Flügel des Burgtores. Wankend keuchte die Burgfrau mit einem großen Tragkorb den steilen Berg herab. Verwundert sah Friedrich der Streitbare hoch zu Pferde dem seltsamen Schauspiele zu. Aufs höchste überrascht erkannte er im Korbe das totenbleiche Gesicht des kranken Ritters von Staupitz. Heftiger Zorn regte sich in ihm, als er sah, dass sein Feind durch Frauentreue so dem Tode und Verderben entgehen sollte. Und dennoch hielt der Fürst sein Wort und ließ die Burgfrau von dannen ziehen. Auch der Besatzung schenkte er die Freiheit.

Quelle: Aus dem Sagenschatz unserer Heimat, Heft 1, Limbach-Oberfrohna 1956, S. 21.22

Die Geschehnisse der Legende von Ritter Staupitz sind auch auf dem Döbelner Notgeld dargestellt.

Die tatsächlichen Hintergründe der Kriebsteinfehde

Am 25. April 1377 gab Burggraf Albert VI. (auch als Albrecht VIII.) von Leisnig den Brüdern von Staupitz das Dorf Stein [Steina], die dortigen duo allodia [zwei Güter] und duo molendina [zwei Mühlen], das Dorf Tidinhain [Diedenhain] mit einer Mühle und 2½ Schock (Groschen) Zinsen der Mühle Technitz zum Lehn. Seit dieser Zeit saßen die Staupitze, neben andern Lehen und Streubesitz, bis in das erste Drittel des 15. Jahrhunderts in und um Steina. Im Zuge der Expansionspolitik des Kriebsteins, vorangetrieben durch Apel Vitzthum (der Ältere), kam es jedoch zu erheblichen Spannungen zwischen diesem und den Staupitzen, da auch das Gebiet um Steina einverleibt werden sollte – gegen Ende des 15. Jahrhunderts war dies dann auch vollzogen. Wahrscheinlich hatte sich Dietrich von Staupitz (der Ältere) bereits aus dem Steinaer Lehn zurückgezogen und so vergab Burggraf Burggraf Albert VII. (auch als Albrecht IX.) von Leisnig, genannt „Wirt“, dem Dittrich vonn Stupitz [der Jüngere, Sohn Dietrich des Älteren] unnd seinen [jüngeren] bruedern […] den hoff zcumb Reichensteine denn hoff zcumb Steyn, den man nennet dy Harthe das dorf zum Steyne das dorff zum Dedinhain, dy moll [Mühle] daselbst, dy uff der Zcapen [Zschopau] leytt unnd die moll zum Kumershain, auch uff der Zcape gelegen am 24.02. 1415 zum Lehn. (In Urkundenzusammenhängen aus dem Jahre 1404 und 1405 wird deutlich, dass hier mit „Reichenstein“ ein Gut in Steina bezeichnet wird.)

Durch diesen Lehnbucheintrag ist zunächst einmal entkräftet, dass, wie in unserer Sage behauptet, ein Dietrich von Staupitz in der Fastnacht, also in der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1415, die Burg Kriebstein widerrechtlich besetzt und die Bewohner daraus vertrieben hat. Ein Lehn aus den Händen Albrechts IX. von Leisnig wäre Landfriedensbrechern nur eineinhalb Wochen nach solch einer Tat wohl verwehrt geblieben. Dennoch führten die Spannungen, vielleicht gerade durch die erneute Vergabe des Lehns an Staupitze und den daraus folgende Provokationen vom Kriebstein, noch 1415 zur Besetzung des Kriebsteins durch die jungen, unerfahrenen und übermütigen Staupitze, um Druck auf Apel Vitzthum (den Älteren) ausüben zu können. Damit machten Sie wohl vom allgemein gültigen Fehderecht dieser Zeit gebrauch, mit Raubrittertum hatte das wenig zu tun. Zur Rückgewinnung der markgräflichen Landesburg Kriebstein, wurden nachweislich aus Freiberg und Dresden Bewaffnete aufgeboten, es kann davon ausgegangen werden, dass auch nahe Städte wie z.B. Leisnig oder Döbeln Aufgebote für den Landesherrn zu stellen hatten.

So wurden die Staupitze auf dem Kriebstein schließlich zur Aufgabe gezwungen, dabei kam zumindest ein Familienangehöriger gewaltsam zu Tode. Nach langen Verhandlungen sollten dann die Brüder Dietrich und Hans von Staupitz im Jahre 1419 ihr schon abgesprochenes Gut, wohl in Steina, wieder zugesprochen bekommen. Das diese Zusage eingehalten wurde ist zu bezweifeln, da es erneut zu Fehdehandlungen kam. An deren Ende brachten die Häscher des Markgrafen den Clan-Chef Dietrich von Staupitz (der Ältere), welcher sich wohl erst jetzt aktiv in die Angelegenheit eingeschalten hatte, nach der Amtsburg Eilenburg. Die Frage, warum er gerade auf der doch weit von Steina entfernten Eilenburg in Beugehaft genommen wurde, kann nicht eindeutig geklärt werden. Eigentlich hätte die Steina nahe Amtsburg Leisnig alle Möglichkeiten geboten. Zu vermuten steht, dass Dietrich d. Ä. auf Lehnsbesitz um Wurzen/Eilenburg gesessen hat, den er in seiner Zeit als bischöflicher Vogt in Wurzen zugesprochen bekommen hat. Die Eilenburg wäre dann die nächste wettinische Amtsburg gewesen. Er musste schließlich mit seinen Söhnen Dietrich (der Jüngere), Hans und Nicolaus am 22.06. 1422 Urfehde schwören. Nach diesem Ereignis liegen von den Beteiligen Staupitzen keine Nachrichten mehr vor.

Schlussfolgerungen

Als Quintessenz ist herauszustellen, dass die bisher gängige Leseart der „Staupitzfehde“ als unrichtig angesehen werden muss. Ein Dietrich von Staupitz hat zwar durchaus im Jahre 1415 den Kriebstein besetzt, jedoch keinesfalls jeder rechtlichen und moralischen Grundlage entblößt. Es ist außerdem völlig falsch, Dietrich von Staupitz auf einen von krimineller Energie getriebenen „Raubritter“ zu reduzieren. Im Laufe der Auseinandersetzungen treten uns zum einen Vater und Sohn Dietrich in unterschiedlichen Rollen entgegen und zum anderen sind in ihnen für diese Zeit typische Vertreter des niederen Adels zu erkennen. Das über Jahrhunderte geprägte Bild des „gierigen und wilden Raufbolds“ Staupitz entspricht also nicht der historischen Wahrheit. Das Expansionsstreben der Herrschaft Kriebstein und die wohl damit in Verbindung stehende landesherrliche Politik mit einem Lehn der Staupitze, führten schließlich zur Fehdeführung der Familie gegen die Vorgenannten. Diese zog sich in unterschiedlicher Intensität über etwa sieben Jahre hin und endete schlussendlich mit der vollständigen Niederlage der schwächeren Partei Staupitz. In der Literatur entstand schließlich während eines langen Formungsprozesses die uns bekannte volkstümliche „Kriebsteinsage“ mit dem Wandermotiv der „treuen Weiber“. Zum Schluss bleibt noch zu erwähnen, dass diese Erzählung nicht entzaubert oder gar demontiert werden soll – ist sie doch inzwischen längst selbst als erhaltenswertes Kulturgut anzusehen.

Bekannte Mitglieder der Familie von Staupitz

Ulmann von Staupitz

  • 1358 erstmalig erwähnt
  • errichtet um 1360 die Burg auf dem Reichenstein.

Dietrich von Staupitz (der Ältere)

  • um 1400 hoher Beamter (Vogt?) derer von Colditz
  • ca. 1408-1410 Vogt des Bischofs von Meißen (Thimo von Colditz) in Wurzen
  • um 1422 in markgräflicher Amtsburg Eilenburg bis zum Urfehdeschwur in Beugehaft (wohl im Zuge der Kriebsteinfehde)

Johann von Staupitz

  • lebte ca. von 1465 bis 1524
  • Student der Theologie in Leipzig
  • Augustiner-Mönch
  • Generalvikar des Augustinerordens
  • Förderer und Beichtvater Luthers, Hofprediger in Salzburg

Ausführliche Informationen

Ralph Gundram, Dietrich von Staupitz – Getreuer oder Raubgesell

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