Geschichte
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Siehe auch die Tabelle der Jahreszahlen.
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Entstehungszeit
Wie die Muldeninsel und der Schloßberg in vorgeschichtlicher Zeit begangen oder gar besiedelt wurden, kann heute kaum noch ergründet werden. Als sicher gilt, daß nach 929 auf dem heutigen Schloßberg die Burg Doblin bestanden hat, eine slawischen Ringwallanlage als Vorgängerbau und regionaler Mittelpunkt ist mehr als wahrscheinlich. In diesem Zusammenhang könnte hier zudem der Sitz eines lokal bedeutenden slawischen Adeligen gelegen haben. Mit Adels- oder Herrenburgen haben wir es vor allem dann zu tun, wenn deren Namen, wie wohl auch in Döbeln, von Personennamen abgeleitet ist.[1]
Die ursprünglichen Namensfassung Doblin könnte auf einen slawischen Adeligen namens Dobla oder Dobela hinweisen.[2]
Die Burg hatte etwa die Form eines rechtwinkeligen Dreiecks mit einer Schenkellänge von ca. 75m x 50m. Die Befestigungen dieser Zeit bestanden meist aus einem Wall in Holz-Erde-Konstruktion, der Innenraum war mit Holzhäusern bebaut. Ein archäologischer Nachweis kann jedoch kaum noch erbracht werden, da beim Bau der Schloßbergschule das Gipfelplateau planiert und dabei praktisch alle älteren Nutzungs- und Baubauungsspuren beseitigt wurden. Lediglich einige slawische Kermikfunde des 9.-12. Jh. konnten später gelegentlich gesichert werden. Diese befinden sich heute als Leihgabe des Landesamtes für Archäologie Sachsen im Stadtmuseum Döbeln.
Unterhalb der Burg wird sich schon in dieser frühen Zeit eine größere dörfliche Ansiedlung befunden haben.
Der Ortsname Doblin (heute Döbeln) wurde erstmal 981 in einer Urkunde Kaiser Ottos II. genannt, als er u.a. die Burg Doblin und alle Zubehörungen dem Kloster Memleben in Thüringen schenkte.[3] Im Jahre 1015 kommt Memleben mit allen Besitzungen an die Reichsabtei Hersfeld in Hessen.
Döbeln im 13. bis 17. Jahrhundert
Um das Jahr 1220 herum wurde Döbeln zur Stadt erhoben.
1293 wurde die Nicolaikirche erstmals erwähnt.[4]
1294 Markgraf Friedrich der Freidige bekennt, daß es Dobelin vom Kloster Hersfeld in Lehen hat.
1296- 1298 Burg und Stadt werden von Adolf von Nassau besetzt
1309 Bürgermeister und 8 Geschworene- Schöppen genannt-üben ihre Ämter aus
1330 am 25.03. sind die Klostergebäude fertig und die Äbtissin Elisabeth List zieht mit den Nonnen ein
1333 ein schwerer Brand äschert die gesamte Stadt ein
1351 das Kloster erhält die Patronantsrechte über die Kirche St. Nicolai
1360 Ritter Ulmann von Staupitz erbaut auf dem Reichenstein eine Burg
1383 es werden Torpfennige und Wagengeld erhoben
1385 Markgraf Wilhelm I. von Meißen verkauft Schloß und Stadt an das reiche Bistum Meißen und nimmt von diesem beide in Lehen.
1411 Peter Kudischow ist Besitzer des Gutes auf dem Staupitzberg
1429 großer Stadtbrand - Plünderung der Hussiten in diesem Jahr gilt als widerlegt.[5]
Im Zusammenhang mit dem Sächsischen Bruderkrieg, überfiel 1450 ein böhmisches Heer u.a. auch die Stadt Döbeln. Dabei wurde vermutlich die bereits im Niedergang befindliche Burg schwer beschädigt, welche wohl gegen Ende des 15. Jh. nur noch als Ruine vorhanden war. Im Jahre 1567 nur noch als "wüstes Amtsschloß" erwähnt, wurde sie letztlich für Jahrhunderte zum Steinbruch der Bevölkerung von Döbeln.
1449 die Zeug- und Leinenweber erhalten den Innungsbrief
1451 Die Kalandsbrüder stiften den Altar Peter-Paul, die Schützen den Altar Fabian-Sebastian.
1457 Kurfürst Friedrich schenkt der Stadt den Schloßgarten und die Schloßwiese, damit auch zwischen dem Niedertor und Schloßruine Befestigungen erbaut werden können.
1502 wird in Döbeln der herzoglich-sächsische Städtetag abgehalten.
1508 handelt der berühmte Tetzel mit Ablaßzetteln in Döbeln. Da er dies ohne herzogliche Erlaubnis tat,mußte er ohne Geld abziehen.
1523 gab es einen schweren Stadtbrand.Die Jakobikirche verschwindet vom Niedermarkt.
Am 17.August 1539 wurde in Döbeln die Reformation eingeführt.
1542 Teilnahme am Wurzener unblutigen Fladenkrieg
1545 soll Luther seinen ehemaligen Famulus Mag. Braun feierlich in sein Amt als Pfarrer in der Stadt eingeführt haben
1554 Kurfürst August überläßt der Stadt die Sörmitzer Mühle
1571 Das Rathaus erhält einen Turm
1581 Döbeln geht stillschweigend aus bischöflichem in kurfürstlichen Besitz über
1637 Plünderung durch die Schweden unter Orbist Döbitz
1640 Der schwedische Obrist Pfuhl überfällt zu Ostern die Stadt und erbeutet 600 Taler
In dieser Zeit entwickelte sich in Döbeln vor allem das Tuchmacher-, Weber- und Hutmacher-Handwerk.
In der "Topographia Superioris Saxoniae" (aus dem Jahr 1650) wird Döbeln wie folgt beschrieben:
„Ein Stättlein in Meissen / an der Mulda / oberhalb Leißnick / gegen Waltheim über / welches Philippus Melanchthon, wegen der herrlichen Viehzucht & deß vornehmen Ackerbawes halben / Sumen Misniae zunennen gepflegt hat; allda man auch gute Tücher machet: Wie Peccenstein part. 3. Theat. Sax. pag. 113. schreibet. Marggraff Friederich von Meissen / hat Keyser Adolffen bey Dobel und Oschatz geschlagen. Anno 1450. ward diß Stättlein von den Böhmen verbrannt: unnd damaln musten auch Dreßden / Wiltzdorff / Tumnitsch / Mitweida / Born / durch Außbrennung herhalten. Anno 1523. verbrann es wider sampt dem Jungfrawen Closter. Anno 1547. im Schmalkaldischen Krieg ward es zweymal eingenommen.“
– Martin Zeiller, Matthäus Merian: Topographia Superioris Saxoniae[6]
Döbeln im 18. Jahrhundert
1722 eine Posthalterei entsteht
1730 gab es einen schweren Stadtbrand. In dessen Folge wurde der Bergfried als Baumaterial genutzt. Bei diesen Brand wurden 266 Hausbesitzer und 400 Mieter obdachlos
1745 vom 2-4.Dezember rastet die sächsische Armee auf ihren Rückzug vor den Preußen in der Stadt
1756 Das preußische Infanterie-Regiment Alt-Kleist bezieht mit 1668 Mann und 300 Pferden Winterquartier in der Stadt.Es verbleibt hier bis zum 22.03.1757.
1757 am 1. September liegt Preußenkönig Friedrich II. mit einem Teil seines Heeres eine Nacht in der Stadt und zieht am nächsten Tag weiter
Im Siebenjähriger Krieg kam es am 12.05. 1762 zum Gefecht bei Döbeln zwischen Preußen und Österreichern in der Umgebung von Döbeln. Die preußischen Einheiten unter Prinz Heinrich von Preußen, einem Bruder Friedrichs II., schlugen die österreichischen Truppen und nahmen unter anderem auch deren Oberbefehlshaber General von Zedtwitz gefangen.
am 20.8.1762 kommt das preußische schwarze Husarenregiment Belling in die Stadt. Mit dabei als Adjutant der Oberleutnant Leberecht von Blücher, der spätere Feldmarschall von 1813.
1754-1810 ist Döbeln Garnisionsstadt des Infanterie-Regiments Lubomirsky
Döbeln im 19. Jahrhundert
1809 Marschall Bernadotte übernimmt in Döbeln die Oberleitung des sächsischen Heeres.
1813 am 5.Mai rücken die preußischen Generale Blücher und York sowie die Prinzen August und Wilhelm mit ihrem Heer in Döbeln ein und ziehen am nächsten Tag Richtung Meißen.
1820 am 23.7. wird die neue Mädchenschule eingeweiht
1823 am 23. Juli erscheint das Döbelner Wochenblatt zum ersten mal
1835 die Straßen und Gassen werden am Abend durch Zuglaternen beleuchtet
1838 Döbeln wird Sitz der Amtshauptmannschaft
1839 werden die Stadttore abgebrochen.
1844 wurde der erste Turnplatz eröffnet
1845 Werner führt den Klavierbau und Drechsler die Zigarrenindustrie ein
1846 Gründung des ersten Turnvereins in Döbeln
1861 Franz Richter beginnt mit dem Bau von landwirtschaftlichen Maschinen
1864 H.W. Schmidt stellt Metallwaren her
1866 Dyhrsen bau in Döbeln Luxusmöbel
1866 am 18.Juli Abmarsch der preußischen Truppen aus Döbeln.Die Bahnbrücke in Bauchlitz wird von den Preußen gesprengt.
1869 Großfuß beginnt mit der Herstellung von Blechwaren
1887 am 1. April erfolgt ein feierlicher Einmarsch von 2 Bataillonen des Regiment 139, am 11.10.1888 beziehen diese beiden Bataillone die neue Kaserne, Döbeln ist damit Garnisionsstadt.
1847 wurde Döbeln an die Eisenbahn angeschlossen (Riesa-Döbeln), 1857 wurde die Strecke nach Chemnitz erweitert. Im Jahr 1868 wurde die Strecke Dresden-Döbeln-Leipzig befahren.
Zwischen 1867 und 1869 wurde die Schloßbergschule errichtet.
Am 15.07.1875 wurde die Freiwillige Feuerwehr Döbeln gegründet
Das Döbelner Krankenhaus in der Sörmitzer Straße wird am 15. August 1881 eröffnet
1883 die Zuckerfabrik nimmt als drittgrößte Deutschlands ihren Betrieb auf. Im gleichen Jahr (am 25. Februar) wird die Freimaurerloge "Zur Wahrhaftigkeit und Bruderliebe" eingeweiht.
1891: Die Körnerplatzschule wird geweiht.
1893, am 23.Juni, spricht August Bebel in der Muldenterasse vor 1800 Anhängern über die Sozialdemokratie.
1897 bezieht die Post ihr neues Gebäude, in dem sie nocht heute ist.
Döbeln im 20. Jahrhundert
Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunder war eine Aufbruchzeit, 1904 wird die neugebaute Jacobikirche geweiht, 1907 eröffnet das erste Döbelner Kino auf dem Obermarkt und 1912 wird das neue Rathaus der Stadt wird geweiht. Die Stadt erhält 1905 ihr eigenes Elektrizitätswerk.
1910 erfolgt am 30.Mai die Grundsteinlegung für das neue Rathaus.
1912 die Niederbrücke wird ganz neu gebaut, gleiches geschieht1913 mit der Oberbrücke
1922 wurden die Orte Keuern, Kleinbauchlitz und Sörmitz eingemeindet.
August 1925 - der Döbelner Riesenstiefel wird erstmals öffentlich gezeigt
1932 Eingemeindung von Großbauchlitz und Zschackwitz
1933 machte sich die Verfolgung jüdischer Bürger auch in Döbeln bemerkbar.Am 1. April wurde den Bürgern durch SA-Leute der Zugang zu jüdischen Geschäften verwehrt.
25.10.1936: Das Döbelner Hallenbad wird nach zweijähriger Bauzeit seiner Bestimmung übergeben. Am 8. Juli 1939 öffnet dann das Freibad unter dem Namen Gartenschwimmbad. Die Anlage wurde in 7 Monaten fertiggestellt.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ in Döbeln fast keine Folgen. In dieser Zeit wurden insgesamt 21 Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion nach Döbeln verschleppt. Die Stadt wurde am 6. Mai 1945 besetzt und kam schließlich unter sowjetische Verwaltung.
1946 am 16. April werden die Ortsgruppen der KPD und der SPD im Staupitzbad zur SED vereinigt
1947 verliert Döbeln des Status einer kreisfreien Stadt
1950 wurden Gärtitz, Masten und Zschäschütz eingemeindet.
1962 ,am 15.August wurde die neugebaute Freilichtbühne im Bürgergarten der Öffentlichkeit übergeben.
1963 bricht am 13.Februar ein Großfeuer in der Mühle Großbauchlitz aus.Zahlreiche Feuerwehren aus Döbeln und Umgebung verhindern ein Übergreifen des Feuers auf Wohnhäuser.Durch eine Mehlstaubexplosion werden 2 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Döbeln getötet.
1972: die ersten Wohnungen werden in Döbeln-Ost II übergeben
1974 wurde Oberranschütz eingemeindet.
1981 war die 1000-Jahr-Feier von Döbeln.
1982: die ersten Neubauwohnungen in Döbeln-Nord werden übergeben
1999: die Freiwillige Feuerwehr Döbeln feiert am 2.10. mit einem Festumzug den Einzug in das neue Gerätehaus hinter der Jacobikirche.
1999,3.Oktober: der Sender "Regional-TV" geht um 19.00 Uhr erstmals im Döbelner Kabelnetz auf Sendung
2000 in der Dresdner Straße wird am 19.Mai der Neubau der Wohnstätte für geistig behinderte Menschen eingeweiht. Das Haus hat 40 Plätze.
Döbeln im 21. Jahrhundert
Beim Hochwasser im August 2002 wurde die Innenstadt auf der Muldeninsel völlig überflutet und viele Häuser zerstört.Im Zentrum stehen bis zu 4 Meter Schlamm,Geröll und Wasser. 569 Geschäfte sind vom Hochwasser betroffen und werden zerstört
2008 verlor Döbeln im Zuge der Kreisgebietsreform seinen Status als Kreissitz, wurde aber zur Großen Kreisstadt (ohne Kreissitz) erhoben.
2011 wird der erste Abschnitt des innerstädtischen Flutschutzes in der Ritterstrasse fertiggestellt
Spezielles
Quellen
- ↑ Ralph Gundram, Der Schloßberg und die Burg zu Döbeln, Riesa 2006, S.9-10
- ↑ Eichler/Walther, Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Band I: Siedlung/Burg des Dobla oder Dobela, altsorbischer Adeliger, sein Name bedeutet soviel wie „stark“, „fähig“
- ↑ MGH DD Otto II. 195. Digitalisat: http://mdz10.bib-bvb.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&no=1&seite=225 .
- ↑ http://www.andreas-may.de/geschich.htm
- ↑ Ralph Gundram, Döbeln und die Hussiten - Die Brandkatastrophe einer Stadt im Spannungsfeld historischer Konstruktion und lokaler Legendenbildung, in: Neues Archiv für sächsische Geschichte, 79. Band, Neustadt a.d. Aisch 2008, S.1-26
- ↑ http://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Superioris_Saxoniae_%28Sachsen%29:_Dobel
- Wanderungen durch Döbeln und Umgebung, herausgegeben zum 4. Sächs.-Thür. Landsmannschaftstag und zum 2.Döbelner Heimatfest 1924 von C. Schwender
- Chronik 2000 - Geschichte der Stadt Döbeln, Herausgeber: Stadt Döbeln und Ehrenamtliche Arbeitsgruppe Döbelner Heimatfreunde am Stadtarchiv
- MeinMuldental